wöchentliche Durchsicht - Imkerverein Hohes Fichtelgebirge

Imkerverein Hohes Fichtelgebirge   -
Landesverband bayerischer Imker
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wöchentliche Durchsicht

Imker sein
 


Normalerweise reicht es aus, einmal pro Woche seine Bienenvölker
gründlich durchzuarbeiten. Dabei muss der Imker (immer) auf
folgende Punkte achten:


1) Verfügt das Volk über ausreichend Futter ?
2) Befindet sich die Königin in Eilage ?
3) Hat das Volk ausreichend Platz im Bienenstock ?
4) Befindet sich das Volk in Schwarmstimmung ?
5) Wie stark ist das Volk mit der Varroamilbe befallen ?
6) Gibt es Hinweise auf weitere Krankheiten ?
7) Klassische Beobachtungen während einer Durchsicht



Es ist empfehlenswert, seine bei der Durchsicht gewonnenen Erkennt-
nisse auf einer
Stockkarte stichpunktartig festzuhalten und diese auch
vor jeder Durchsicht kurz zu "überfliegen".

Jetzt erfolgen ein oder zwei kräftige
Rauchstöße in das Flugloch
und/oder unter die Deckelfolie.

Nach einer kurzen Wartezeit Deckel und Folie abnehmen, mit dem
Stockmeisel die
Zargen lockern, abnehmen und auf den Boden abstellen,
jedoch auf die Stirnseite der Zarge.


Mit dem Stockmeisel die
Rähmchen lockern, die erste und/oder
zweite Wabe entnehmen, um Platz zu schaffen. Dann die Waben der
anderen Rähmchen begutachten (siehe: mögliche Beobachtungen).



 

1) Verfügt das Volk über ausreichend Futter ?

 
 

Das sollte auf keinen Fall passieren ! Typisch für ein verhungertes Bienenvolk: Die toten Bienen stecken mit dem Kopf voran in den leergeleckten Waben.

Ein ausreichender Futtervorrat ist sowohl für die Legeleistung der Königin, als auch für den Erhalt des Bau- und Putztriebes des Volkes Voraussetzung. Man geht davon aus, dass ein normal starkes Bienenvolk im Jahr etwa 30 kg Pollen und 60 Kg Honig für den eigenen Bedarf benötigt. Ab Brutbeginn liegt der Monatsverbrauch bei gut 4 kg.

Ein besonderes Augenmerk auf den Futtervorrat muss der Imker im Frühjahr legen. Aber auch nach Beendigung einer jeweiligen Tracht und dem damit verbundenem Honigschleudern (z.B. der Steinobstblüte).

Es muss grundsätzlich immer
die Menge von etwa zwei Brutwaben in Form von Honig im Stock verbleiben !

Ist dies nicht der Fall,
dann muss der Imker
(auch im Sommer) füttern.

 

 

Das muss ich tun, wenn das Volk kaum mehr Futter hat:

  • einhängen von noch vorrätigen Futterwaben aus dem Wabenlager oder

  • entnehmen von Futterwaben aus anderen Völkern, bienenfrei machen und diese zuhängen oder

  • 5 Liter Zuckerwasser im Verhältnis 3:2 (also 4 kg Zucker auf 2,65 L Wasser) so dicht wie möglich an den Bienensitz bringen (z.B. Gurkenglas mit gelochtem Deckel verkehrt herum auf den Bienensitz stellen oder zwei Waben entnehmen und in diesen Leerraum einen mit Zuckerwasser gefüllten Tetrapack stellen) oder

  • Futterteig so nah wie möglich an den Bienensitz legen (Voraussetzung ist aber, dass die Bienen Zugang zu Wasser haben !)

 
 
 
 
 
 
 

2) Befindet sich die Königin in Eilage ?

 

Hier ist die Königin in Eilage;
der Imker spricht von einem "weiselrichtigen" Volk.

Diese Frage ist grundsätzlich von existenzieller Bedeutung für das jeweilige Volk. Zur Kontrolle beginnt man, eine Randwabe zu entnehmen, um Platz zu schaffen. Diese Randwabe ist (meist) eine Futterwabe, auf der keine Brut zu finden ist. Dann zieht man Wabe für Wabe und sucht nach jüngster Brut. Sobald man auf einer Wabe Eier und/oder Maden gefunden hat, kann man die Frage mit "ja" beantworten.

 

Ein weiteres Durchsuchen der restlichen Waben nach Eiern oder gar der Königin unterbleibt. Die Gefahr, die Königin auf irgendeine Art zu verletzen, ist zu groß.

Sind keine Eier (aus welchem Grund auch immer) zu finden, dann ist das Volk zunächst einmal als "in seiner weiteren Existenz als bedroht" anzusehen und erfordert zügiges Handeln des Imkers.

Ab etwa Mitte Oktober bis Mitte März werden die Völker bis auf ganz wenige Ausnahmen (z.B. Oxalsäurebehandlung) grundsätzlich nicht gestört. Hat man rechtzeitig für junge Königinnen gesorgt, dann gibt es in diesem Zeitraum auch keinen Grund zur Sorge bzw. das Volk zu stören.

 



Das muss ich tun, wenn ich keine Eier finde:

  • Prinzipiell ist es nicht verkehrt, möglichst bald eine "Weiselprobe" durchzuführen. Dazu gibt man eine Brutwabe mit jüngster Brut (jedoch ohne aufsitzende Bienen) aus einem anderen Volk zu.

 

eine wenige Tage alte Nachschaffungszelle;
man findet sie meist
mittig auf der Wabe
(im Unterschied zur
Schwarmzelle, die sich
meist am Rand befindet)

 
  • Wird auf dieser Weiselprobe inner- halb weniger Tage "nachgeschafft" (also senkrechte Nachschaffungs- zellen angelegt), dann ist das Volk weisellos, also ohne Königin. Man hat nun die Möglichkeit, die Weiselprobe im Volk zu belassen, so dass sich dieses selbst eine neue Königin nachziehen kann. Oder man hängt sie wieder zurück und gibt dem weisellosen Volk eine Königin zu.

 
  • Wird auf der Weiselprobe jedoch die Brut gepflegt und werden keine Nachschaffungszellen gezogen, dann ist eine Königin vorhanden. Es könnte sich um eine junge Königin handeln, die noch nicht in Eilage ist. Dies kann z.B. nach einem Schwarmabgang der Fall sein. Ein solches Volk muss nach einer Woche unbedingt noch einmal auf Weiselrichtigkeit hin überprüft werden.

 
 
 
 
 
 
 

3) Hat das Volk ausreichend Platz im Bienenstock ?

 

Bereits Anfang April gilt es, diesen Punkt ausreichend Beachtung zu schenken. Sofort nach dem Abnehmen des Deckels fällt der Blick auf die Rähmchenoberträger und die Wabengassen.


Es sollte spätestens erweitert werden, wenn
auch die Wabengassen zu den Seitenwänden hin mit Bienen besetzt und die Unterleisten der Rähmchen mit Bienen belagert sind.


Ist man sich nicht sicher, ob die Bienen in einer ausreichenden Menge vorhanden sind, dann sollte man lieber zu früh als zu spät erweitern.

 
 
 



Das muss ich tun, wenn es dem Volk zu eng wird:

  • die aufzusetzende Zarge vorbereiten: zwei Drittel Mittelwände und ein Drittel ausgebaute Mittelwände einhängen, wobei letztere in die Mitte kommen (wenn man sie denn hat), dann

  • die Wachsbrücken der unteren Rähmchen mit dem Stockmeisel abtragen,

  • das Absperrgitter auflegen und schließlich

  • die vorbereitete Zarge aufsetzten

 
 
 
 
 
 
 

4) Befindet sich das Volk in Schwarmstimmung ?

 

Das Schwärmen ist die natürliche Vermehrung der Honigbiene. Um Schwärmen zu können, legt das Volk Schwarmzellen an, um eine neue Königin heranzuziehen. Sind die Schwarmzellen verdeckelt, dann ist das Volk "schwarmreif". Ab diesem Zeitpunkt besteht die Gefahr, dass in Kürze die alte Königin mit etwa der Hälfte der Bienen und etwa drei Kilogramm Honig den Bienenstock verlässt. Die Schwarmzeit startet mit dem Beginn des großen Blühens im Frühjahr und dauert bis Ende Juli bzw. Anfang August.

schlüpfreife Schwarmzellen; man findet sie meist am Wabenrand

 
 



Ursachen:

  • Langeweile aufgrund fehlender Baumöglichkeiten

  • zunehmende Enge im Bienenstock

  • schlechte Pheromonversorgung durch eine zu alte Königin

 
 



Anzeichen:

  • nachlassende Baulust am Baurahmen

  • eingeschränktes Flug- und Sammelverhalten

  • keine bzw. kaum mehr jüngste Brut

 
 



schwarmlustmindernde Maßnahmen:

  • möglichst junge Königinnen in den Völkern halten

  • rechtzeitige Erweiterung

  • Verwendung eines Baurahmens und regelmäßiges Ausschneiden

  • rechtzeitig Bildung von Jungvölkern

  • wöchentliche Kontrolle auf Schwarmzellen; eine zweimalige Kontrolle pro Woche bringt mehr Sicherheit, wenn man mal eine übersehen hat

  • alle Schwarmzellen komplett ausbrechen bzw. ausschneiden

 
 

 
 
Das kann/muss ich tun,
wenn das Volk in Schwarmstimmung ist:

  • einen Flugling bilden und nach 9 Tagen rückvereinen oder

  • einen (Zwischen-)Ableger bilden: dazu entnimmt man die Königin, zwei oder drei Brutwaben (je nach Jahreszeit) und zwei Honigwaben, hängt sie in einen separaten Bienenstock, gibt eine Leerwabe zu und verbringt ihn außerhalb des Flugkreises

 
 
 
 
 
 
 

5) Wie stark ist das Volk mit der Varroamilbe befallen ?

 

eine sog. "Windel"; zum Erleichtern des Auszählens sollte sie mit einer Art Raster versehen werden

Zur Ermittlung des Varroabefalls verwendet man eine so genannte "Windel", einen möglichst hellen Einschub, den man in das Bodenelement einschieben kann. Nach drei oder sieben Tagen zählt man dann die abgefallenen Milben.

Liegt der natürliche Milbenfall deutlich über 10 Milben pro Tag, dann ist eine baldige Behandlung ratsam. Liegt er bei 50 bis 100 Milben pro Tag (oder höher), dann ist unbedingt eine sofortige Behandlung durchzuführen.

 
 

„Gemülldiagnose" : Die Milben (1) sind leicht an ihrer querovalen Form zu erkennen. Sie
liegen zwischen herabgefallen Wachsdeckeln (2), Pollen (3) und Wachsraspeln (4).

 



Das muss ich tun, wenn der Varroabefall (zu) hoch ist:

  • Bildung eines (offenen) Kunstschwarmes oder

  • zweimalige Ameisensäurebehandlung (60% ad.us.vet.) z.B. mit Hilfe des Nassenheider Verdunsters Professional im August und noch einmal im September bei Temperaturen zwischen 20° und 25° Celsius und

  • zusätzlich unbedingt eine einmalige "Restentmilbung" im Dezember: wenn das Volk brutfrei ist mittels der "Träufelmethode" 30 bis 50 ml Oxalsäure (jenach Größe des Volkes) in die besetzten Wabengassen träufeln

 
 
 
 
 
 
 

6) Gibt es Hinweise auf weitere Krankheiten ?

 

wer seine Waben jahrelang in den Stöcken "pflegt", braucht sich über Krankheiten nicht zu wundern

Gott sei Dank erkranken (gut genährte und vitale) Bienenvölker aufgrund ihres Bau- und Putztriebes recht selten. Auch das "Wachsmanagement" des Imkers spielt hier eine enorm wichtige Rolle. Fällt einem jedoch etwas "nicht Normales" auf, dann sollte man unverzüglich einen erfahrenen Imker bzw. das Veterinäramt zu Rate ziehen.

Besteht auch nur der Verdacht des Ausbruchs einer anzeigepflichtigen Krankheit (z.B. Amerikanische Faulbrut), muss dies unverzüglich bei der zuständigen Veterinärbehörde angezeigt werden.

weiter zu den
wichtigsten Bienenkrankheiten

 
 
 
 
 
 
 

7) Klassische Beobachtungen während einer Durchsicht

 

Beobachtungen

möglicher Hinweis auf ...

schwache bienenbesetzte Waben

  • Volk abgeschwärmt

  • Bienen krank

  • Königin schlecht

stark bienenbesetzte Waben

  • Volk in Ordnung

Königin

  • Volk hat Königin

Eier

  • Volk hat Königin

Larven

  • Volk hatte vor etwa 3 Tagen Königin

verdeckelte Arbeiterinnenbrut

  • Volk hatte vor etwa 9 Tagen Königin

Lücken im Brutnest

  • Brutkrankheit

  • Königin schlecht

verdeckelte Brutwabe

  • in Kürze Platzbedarf für Bienen

mehrere Eier pro Zelle

  • Arbeiterinnen legen Eier

  • junge Königin noch unerfahren

Drohnenlarven außerhalb der Saison

  • Königin ist schlecht

verdeckelte Drohnenbrut
außerhalb der Saison

  • Königin ist schlecht

Drohnen außerhalb der Saison

  • Königin ist schlecht

Kondenswasser unter der Deckelfolie

  • Volk brütet

Arbeiterin-jung

  • Brut befindet sich bereits über 3 Wochen im Volk

Spielzellen

  • Schwarmneigung

Nachschaffungszellen

  • Königin ging plötzlich verloren

Schwarmzellen

  • Schwarmtrieb ist ausgebrochen

nicht ausgebaute Waben

  • Volk ist relativ schwach

Pollenhöschen an Bienen

  • Larven werden versorgt

Honigwaben voll

  • starke Tracht

  • weiteren Honigraum aufsetzen

Pollenflächen

  • Pollenversorgung ausreichend

Futterkränze

  • Futtervorräte im Sommer ausreichend

Kotspritzer auf Waben

  • Darmerkrankung

  • Störung

geschlossenes Brutnest

  • Königin ist Ordnung

lückiges Brutnest

  • Brutkrankheit

verkühlte Brut

  • Volkstärke ist zu schwach

aufsitzende Varroamilben

  • Volk ist stark parasitiert

verschimmelte Waben

  • Volkstärke ist zu schwach

nervöses, atypisches Verhalten

  • Bienenvolk ist krank

  • Bienenvolk ist ohne Königin

schwere Zargen

  • viel Vorräte bzw. Honig

lautes Brausen

  • Königin fehlt

fauliger Geruch

  • Brutkrankheit

 

Übersicht übernommen von der
Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau
(Fachzentrum Bienen) / www.lwg.bayern.de


 
 
 
 
 
 
 
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